Interview mit Mark Malinga, Pastor und Psychotherapeut

Die erst 23-jährige Sandra wurde von einem Auto verletzt. Der Unfall hinterließ körperliche und seelische Wunden. Mit der Entschädigungszahlung des Fahrers verschwand Sandra’s Vater. Dank der Gespräche mit Mark fanden Sandra und ihre Mutter Wege zu Heilung und Vergebung. 

Sandra, ihre Mutter und Mark

Mark, was hat dich motiviert dich in die psychosoziale Arbeit von PRO Uganda einzubringen?

Anfangs erschien es wie ein Job. Doch schon an meinem ersten Tag las ich am Eingang des Zentrums die Inschrift aus Matthäus 25,40: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan.“ Das hat mich tief berührt. Ich erkannte: Alle diese Menschen sind Brüder und Schwestern Christi. Seitdem sehe ich meine Arbeit als Dienst, den ich mit Demut und Liebe füllen will.

Wie genau arbeitest du mit den Kindern und Erwachsenen? Du bist ja beides – Pastor und Therapeut.

Meine beiden Broschüren erläutern diesen Zusammenhang ausführlich. In meiner ersten Broschüre, „Die Wissenschaft vom Leben und seiner Herausforderungen“, betone ich drei Kernpunkte:

  • Herausforderungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens – so wie Jesus geboren wurde, Sünden zu vergeben und Erlösung zu bringen.
  • Wir müssen verstehen, wie Gott gerade durch die Herausforderungen des Lebens wirkt.
  • Jeder Mensch trägt die Verantwortung, konstruktiv auf Herausforderungen zu reagieren. Eine Amputation ist eine Herausforderung – genauso wie andere Menschen Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Beziehungen oder Verhalten haben.

In der zweiten Broschüre betrachte ich unseren Dienst an den Menschen mit Behinderungen als eine Berufung von Gott, nicht nur als reine Aufgabe oder gar Belastung. Das gilt übrigens auch für pflegende Angehörige.

Um meinen Patienten bestmöglichst zu helfen, treffe ich sie einzeln, als Paare, als Familien und in Gruppensitzungen. Ich nutze auch Konferenzen, um übergreifende Themen anzusprechen, die viele Menschen gleichermaßen betreffen.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Montags starten wir im Team mit einer Andacht. Danach besprechen wir die Patientinnen und Patienten für diese Woche im Einzelnen. Ich arbeite vor allem mit Neuankömmlingen und begleite sie durch Gespräche, spirituelle Impulse und therapeutische Unterstützung. Am Ende dokumentiere ich alles sorgfältig – denn jeder Mensch verdient diese Aufmerksamkeit. Die Ergebnisse der Arbeit sollen festgehalten werden.

Wie begegnest du traumatisierten oder stark belasteten Patientinnen und Patienten?

Ich vermittle ihnen immer, dass das Leben zwei Seiten hat: Das Glück und die Herausforderung. Ich glaube, dass wir geboren worden sind, um Herausforderungen zu meistern. Wenn ich merke, dass eine Patientin oder ein Patient Christ ist, dann kann ich biblischen Zuspruch geben. Unabhängig davon möchte ich jedem Einzelnen die Botschaft mitgeben, dass das Leiden nicht unseren Wert bestimmt – und dass Gott uns nie verlässt. Davon bin ich fest überzeugt.

Welche strukturellen oder kulturellen Hürden erlebst du in deiner Arbeit?

Viele Familien verstecken Kinder mit Behinderungen aus Angst vor Stigmatisierung. Männer verlassen Frauen, weil sie ein behindertes Kind haben. Kinder in ländlichen Regionen haben kaum Zugang zu Medizin oder Bildung. Und selbst Grundbedürfnisse wie Essen sind für viele nicht selbstverständlich.

Gab es Momente, in denen du dich machtlos gefühlt hast?

Ja. Eine junge Frau, amputiert und hochgebildet, fand jahrelang keine Arbeit. Sie wurde schwanger, doch die Familie ihres Partners lehnte sie ab – sie hielten sie für „verflucht“.
Ich konnte ihr zwar keine Arbeit oder eine gute Beziehung verschaffen. Aber ich konnte ihr sagen: Du bist geliebt. Du bist nicht allein! Ich habe sie ermutigt, ihre Sorgen so an Gott zu übergeben, wie ich selbst es tue.

Gibt es eine Begegnung, die dich besonders berührt hat?

Eine muslimische Witwe kam mit ihrem behinderten Kind zu uns. Wir halfen medizinisch, parallel sprach ich mit den muslimischen Gemeindevorstehern über ihre Situation. Gemeinsam entwickelten wir dann einen Geschäftsplan für sie. Heute führt sie stolz ein kleines Unternehmen in ihrer Gemeinde. Geschichten wie diese zeigen: Unsere Arbeit wirkt – über Konfessionen hinweg.

Was bewirkt das Programm „Ein erfülltes Leben führen“?

Dieses Programm hilft Menschen, ihre Einschränkungen nicht als Ende, sondern als Neuanfang zu sehen. Ein weiteres Beispiel: Godfrey, ein amputierter Mann, wurde Landwirt und Unternehmer. Heute beschäftigt er mehrere Mitarbeitende und inspiriert andere. Er steht für gelebte Hoffnung.

 

Mark, wir danken dir sehr für dieses Gespräch!

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